Medien und Migration - Zwischen Begegnung und Konflikt

Beinahe eine Million Geflüchtete sind 2015 nach Deutschland gekommen. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Wurzeln treffen hier gleichermaßen auf eine Willkommenskultur, aber auch auf Ressentiments und Ablehnung. Wie ist die emotionalisierte Debatte zur Fluchtbewegung aus medienethischer Perspektive zu betrachten? Die aktuelle Ausgabe der MedienConcret analysiert mediale Strategien zur Integration und Ausgrenzung von Geflüchteten und anderen Migranten und zeigt auf, welche Herausforderungen sich für die (medien-) pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stellen. Welche Bilder, Berichterstattungen, Games, Filme, Netzangebote und Medienprojekte fördern eine erfolgreiche Integration auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses zwischen Geflüchteten und Aufnahmegesellschaft? Zugleich wird analysiert, mit welchen medialen Strategien Ängste geschürt und Feindbilder aufgebaut werden.

Die aktuelle Ausgabe der MedienConcret „Medien und Migration“ kann für 7,- Euro zzgl. Porto bei den  Herausgebern, dem Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum, info@kjf.de, und dem jfc Köln, info@jfc.info, bestellt werden.

Smartphones als Überlebenshelfer
Smartphone, Selfie, Skype – ein Blick auf die Mediengewohnheiten junger Geflüchteter offenbart viele Gemeinsamkeiten mit der Jugend in Deutschland. Junge Leute in aller Welt sind ständig online und fühlen sich zu Hause in der Welt der virtuellen sozialen Netzwerke. Internet und Smartphones haben sich als wichtige Fluchthelfer und Organisationshilfen für den Alltag hierzulande erwiesen. Sie bieten Anknüpfungspunkte für die Einbindung der Newcomer und die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturkreise. Und sie bieten Geflüchteten wie auch anderen Minderheiten in Deutschland die Chance, mit ihren Interessen sichtbar zu werden. Doch die modernen Technologien sind nicht immer förderlich für die Integration; die leichte Verfügbarkeit zahlloser Heimatkanäle und virtueller Kontakte in die Heimat kann auch zur medialen Ghettoisierung führen.

Das Fremde verstehen lernen
In der MedienConcret wird Bilanz gezogen über die Beteiligung von Zuwanderern an der aktuellen Medienproduktion sowie  Rückschau gehalten, welche Medien zur zielführenden Aushandlung eines neuen gesellschaftlichen Verständnisses von Integration und Gemeinschaft beitragen. Wie können Medien unterstützen, Menschen die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen? Wie reflektieren Kino, TV und Games Ängste und Argwohn vor dem „Fremden“? Trotz aller Unterschiede stehen die Chancen auf ein Miteinander nicht schlecht und manifestieren sich im anhaltenden Engagement der vielen Helfer. Laut der letzten Sinus-Studie befürwortet der Großteil der Jugendlichen in Deutschland die Aufnahme von Geflüchteten und akzeptiert die Vielfalt. Die Studie bestätigt aber auch manifeste Vorbehalte und Stereotype gegen gesellschaftliche Gruppen.

Informationskompetenz gegen Hate Speech
Junge Leute bilden sich ihre Meinung heute verstärkt im Internet, in dem die komplexen Herausforderungen für unsere Gesellschaft kontrovers diskutiert werden. Informationskompetenz ist deshalb immer mehr als wesentliche Schlüsselqualifikation gefragt – ebenso wie auch die Fähigkeit zur Gegenrede. Schließlich haben sich die Niederungen des Internets zum Biotop für Hassredner, Pöbler und Rassisten entwickelt. Aus medienethischer Perspektive wird die emotionalisierte Debatte zur Fluchtbewegung betrachtet. Es wird dargestellt, auf welche Weise Kinder und Jugendliche Informationskompetenz entwickeln und lernen, stigmatisierende und stereotype Darstellungen zu erkennen, sowie die Fähigkeit zur angemessenen Reaktion auf Hate Speech erlernen.

Praxis aktiv und interkulturell
Auch darüber hinaus ergeben sich aktuelle Herausforderungen für die medienpädagogische Praxis: Die Medienarbeit mit Geflüchteten hat sich in vielerlei Hinsicht als sinnvoll erwiesen, ermöglicht sie Teilhabe, soziale Begegnung und kulturellen Austausch. In dieser Ausgabe der MedienConcret werden erste Praxiserfahrungen, ausgewertet, verschiedene Ansätze vorgestellt  -  Best-Practise für eine gesellschaftliche Vielfalt!